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20. April 2009
Schwäbisches Tagblatt
Exzesse im Stahlgerüst
LTT zeigt in deutscher Erstaufführung beeindruckendes Ein-Personen-Stück über jugendliche Gewalt
Jugendliche und Gewalt ist derzeit ein Dauerthema, in Medien, in Schulen, in Gerichten. Deshalb ist jetzt auch das Ein-Personen-Stück "Softgun" des schwedischen Autor Mats Kjelbye, das am Freitag seine deutschsprachige Erstaufführung im Landestheater Württemberg-Hohenzollern (LTT) erlebte, hochaktuell. Und es ist ausgesprochen sehenswert, sowohl vom Text her, als auch im Blick auf die Inszenierung von Britta Benedetti und die schauspielerische Leistung von Claudio Schulz-Keune. (...) Er steigt mit unglaublicher Power in die Rolle des gewaltbereiten Jugendlichen ein. Siebzig Minuten lang steht er ständig unter Strom, kommuniziert direkt mit dem Publikum, das bei der Inszenierung im kleinen Veranstaltungsraum "LTT-oben" auf beiden Seiten der Bühne sitzt. Er schwitzt, schreit, brüllt, ist plötzlich ganz sanft, um im nächsten Augenblick in unbändige Wut auszubrechen. Er verkörpert Ed mit Haut und Haaren. Sehr effektvoll ist auch das Bühnenbild von Vesna Hiltmann. In der Mitte steht ein Stahlgerüst in der Form eines viereckigen Tores. Dieses Gerüst, über das Ed hinweg klettert, ist auch der Rahmen der eindrücklichsten Szene in "Softgun". Ed verfängt sich in einem Gespinst aus Bändern und Hängematten. Er tobt, versucht sich zu befreien, bleibt aber bis zur Erschöpfung in diesem Bänder-Wirrwarr gefangen. Es ist eine Inszenierung, die man so schnell nicht vergisst und die sich viele Jugendliche ansehen sollten.
Veit Müller, Reutlinger Generalanzeiger, 20. April 2009